Trainingslager 2000
(Hier die Ankündigung des Trainingslagers)

Castiglione de la Pescaia war zur Osterzeit das auserkorene Ziel eines fröhlichen Haufens von Nordlern.
Die 'Location' hielt, was wir uns von ihr versprochen hatten. Akzeptable Großwetterlage, schöne Altstadt, netter Strand, Topi-Eis, passable Waldrunde, cooler Kraftraum, erfrischendes Planschbecken und 14 Big Brother- bzw. 10 nahezu rosenstolzfreie Tage (!).

Neben der Erfüllung trainingstechnischer Aufgabenstellungen, wartete diesmal auf unsere Kids eine ganz besondere Herausforderung: das eigenhändige Fabrizieren der täglichen Nahrung. Hier klafften von Apartment zu Apartment doch erhebliche Qualitätsunterschiede auf. Während es den mitgereisten 3-Sterne-Köchen gelang, zahlreiche Geschmacksnerven wiederholt in den Zustand wohliger Verzückung zu versetzen - erinnert sei hierbei an Matzes Kuchenkreationen, Conzis Kaiserschmarren und die einzig wahren Bananencrepes (freilich unter der Rubrik 'auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn' abzubuchen) - wurde andererseits so manch hoffnungsvoller Nachwuchsathlet beim verzweifelten Vertilgen ungekochter Nudeln - und zwar directly out of the Tüte - oder beim Bestellen der zweiten Pizza Gigante vor dem gemeinsamen Eisessen observiert. Um den Jungs aus Ap.?? Peinlichkeiten übelster Art zu ersparen (immerhin sind diese Zeilen auch den Eltern frei zugänglich) schreibe ich besser nicht weiter über das Essen. Benni, Ole, Jacob und Nils sollten an dieser Stelle auch einfach anonym bleiben. Hüllen wir doch den Mantel des Schweigens über das halbstündige 'al dente' Kochen von Spagettis, die nachträgliche Zugabe roher Zwiebelstückchen in die 'Souce' (zutreffender: Plörre, Tümpel, etc.). Es gilt zu konstatieren, daß niemand verhungert ist und Dank einer großartigen Solidarität innerhalb der gesamten Gruppe die erfolgreiche Vermittlung des Koch-ABC's - Lernstufe 1, auch an die hartnäckigsten Fälle, stolz vermeldet werden kann.

Wieder einmal gelang es dem jung-dynamischen Trainerteam die richtige Mischung aus konzentriertem Training und lockerer Freizeit (oder um es mit einer Metaphorik auszudrücken, die besonders auf die mitreisende Teilmenge von klunkerkettentragenden BSU-Aktivisten zugeschnitten ist: die Symbiose aus preußischem Staat und Big Eden) zu finden.
Im Training wurde richtig hart gearbeitet. Der sagenumwogene L-A-Z-Y-Virus (ruft eine schwere Knochenhautentzündung vor und zwingt zum Kürzertreten bei den Einheiten) hatte bei uns keine Chance.
Marlies' kleine Kröten (Jule, Jessica, Ulla, Gila, Melina, Meike und Myri) und Kathrins kunterbunte Gang (Ole, Nils, Lola und Nele) sind ohnehin voller Trainingseifer und auch die älteren männlichen Wesen (die Tobys, Oli, Lasse, Patrick, Jacob und Benniman, einschließlich Lullen-Leifi) erwiesen sich als echte Athleten. Wir sind doch keine Warmduscher, Fluschen oder LG Niker! Das größtmögliche Kompliment in puncto Trainingsfleiß heimste sich Patrick (der Indianer) ein: "Du bist so wie ich im letzten Jahr" (Originalton Oli, 'die Katze' Meeden).
Die beiden Tobys gingen vor harten Tempolaufeinheiten extra früh schlafen, wobei Toby L. in froher Erwartungshaltung glücklich vor sich hin schnorchelte (dieser freundliche und ausgeglichene Zeitgenosse wirkt überhaupt immer etwas unausgeschlafen und wacht erst bei harten Läufen so richtig auf), während Toby F. in diesen Nächten eher von bösen Alpträumen heimgesucht wurde und sich große Sorgen über mögliche eintretende Ereignisse machte. Besonders guten Einfluß auf die Trainingsmoral hatte die Anwesenheit von Lasse 'Papa' Köhler. Halb Trainer, halb Athlet verstand er es gut sich das Vertrauen der Jugend zu erschleichen, um doch als verlängerter Arm des Cheftrainerstabes zu fungieren. Auch unsere mitreisenden Läufer (Anne, Alice, Arwed und Matze) waren beim Kilometerfressen kaum zu bremsen und powerten ihre Körper so richtig aus.
Nur Jans Girlies (Yvette, Judith, Maren, Claudi, Conzi, Sabrina und Sarah) fielen wieder einmal aus dem Rahmen.
Immerhin konnten sie die Gymnastikreifen ganz keck um ihre Hüften kreisen lassen und blufften sich so durch das Training. Durch einen modischen Puma-Tropenhelm gut markiert, zeigte sich bereits von weitem die Differenz zu unseren anderen Gruppen. Während wir im Stadion an der vollendeten Technik feilten oder dynamische Sprintserien absolvierten, legte Meister Keil seinen Schönchen Schwimmflügel um und ließ sie ein wenig im Kinderbecken planschen oder sie schlossen Freundschaft mit einem netten, aber etwas schüchternen Naturfreund mit rosa Badehose.

Für die Zeit jenseits der Einheiten spielten sich bestimmte Rituale ein. Über Mittag zog es unsere Beach-Boys und Beach-Hasis ans Meer. Eine gute Gelegenheit die soziologische Sternchen-und-Planeten-Theorie auf ihre empirische Gültigkeit hin zu überprüfen. Mädels sind die Sternchen (blink, blink) und die Jungs die dumpfen Planeten (kreisen, kreisen). Unserem jung-dynamisch-aufstrebendem Trainerteam kann innerhalb dieses kosmologischen Szenarios durchaus der Status von Weltformeln zugeordnet werden. Es ist nur gut, wenn die Jugend bei der eigenen Persönlichkeitsfindung ihre Idole über zwei Wochen ständig vor Augen hat und besonders die Jungs konnten so versuchen ihren zwei Vorbildern nachzueifern, natürlich mit der ständigen Erfahrung der eigenen Begrenztheit und des ständigen Scheiterns.

Die diesjährige jugendliche Generation outete sich als gnadenlos romantisch. So wurden wiederholt Kuschelhaufen, bestehend aus 10-12 Personen gesichtet, die sich am Strand in Decken mummelten, in die Vergangenheit der Sterne schauten und so ziemlich lange ausharrten, quatschten und sich nicht einmal durch den Bart-Simpson-Gummimaskenträger verschrecken ließen. Oder die Stimmung kippte zum Vodoo-Kult. Dann schallten seltsame Gesänge über den Camping-Platz und der Ameisenmensch (den ich leider nie persönlich traf) trat in Aktion.

Der harmonische Rhythmus und die Ruhe wurde lediglich durch wenige Vorkommnisse gestört. Eines Tages tickten unsere kleinen Kröten in ihrer Wohnung vollständig aus. Das hysterische Kreischen erinnerte stark an die Beatlemania - doch galt die Aufregung nicht den Backstreet-Boys, sondern einer handvoll possierlicher Ameisen, die wohl ihrerseits dachten, sie wären im falschen Film!
Eine andere Quelle der Unruhe war die Anwesenheit des finsteren Kuß-Mörders. Mörder Nr.1 trieb sein Unwesen mit Vorliebe im Geräteraum des Stadions. Nach einer kurzen reibungslosen Mordserie suchte er sich mit Oberkröte Melina das falsche Opfer aus. Das Morden wurde zur Tortur und alarmierte alle selbsternannten Detektive. Als er sich nach der verhängnisvollen Mord-Attacke mit seinem knallig weiß-blauen Streifen-Tarnhemd im Grünen verschanzt hielt und sich drei seiner Beach-Boy-Athleten näherten, sah er die Unmöglichkeit seines Versteck-Unterfangens ein und versuchte mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit aus dem Gebüsch auf den Weg zu springen. Als er auf die unvermeidliche Frage 'Was machst du denn da im Gebüsch?' keine wirklich gute Antwort parat hatte, nahte die Stunde seiner Enttarnung. Mörder Nr.2 verhielt sich geschickter und machte fast keine Fehler. Erst als fast die gesamte Gruppe heimtückisch ausradiert war, geriet dieses geniale kriminelle Hirn in Schwierigkeiten. Als dann nach Mitternacht Jans großen Girlies, die sich aus Sicherheitsgründen vollständig verschanzt hielten, überraschend großzügig und hilfsbereit Milch angeboten wurde, nahte auch Melinas Ende als Meistermörderin.

Eine willkommene Abwechslung war der Ausflug nach Rom. Einen ganzen Tag lang tollten wir durch die ewige Stadt, schauten uns den Petersdom, die spanische Treppe, das Forum Romanum, Collosseum etc. an! Die vielen Impressionen konnten so schnell gar nicht verarbeitet werden und einige von uns faßten den Entschluß, auf jeden Fall diese Metropole noch einmal zu besuchen.

Zu guter Letzt möchte ich sagen, daß es alles in allem ein ausgesprochen schönes und streßfreies Trainingslager war. Die Früchte des harten Trainings werden bald bei den Wettkämpfen geerntet werden und den großen Spaß, den wir immer wieder hatten, kann uns ohnehin niemand nehmen!
gez.
Claudio Roller
2. Vorsitzender und mitreisender Trainer des SC Tegeler Forst e.V.
 

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